Wer braucht einen Ölabscheider und warum?

Ölabscheider werden immer dann eingesetzt, wenn in der Ausübung einer Tätigkeit Abwasser mit Mineralöl vermischt werden. Dies geschieht in der Regel beim Waschen von Fahrzeugen oder belasteten Teilen, aber auch beim Tanken.

Die Behörden schreiben z.B. immer eine Abscheideranlage vor, wenn mittels Hochdruckreiniger gewaschen wird. Hierbei ist es nicht wichtig, ob bei der Fahrzeugwäsche nur die Oberfläche abgekärchert wird oder regelmäßig eine Motorwäsche durchgeführt wird.

Bei Tankstellen ist ein Abscheider zwingend notwendig, es sei denn, die Betankungsfläche ist komplett überdacht und hat keine Entwässerung.

Ein Ölabscheider wird auch Heizölabscheider oder Benzinabscheider genannt. Da ein Abscheider immer nach dem Prinzip Abscheidung durch Schwerkraft funktioniert, wird auch häufig der Name Schwerkraftabscheider verwendet.

Mineralöl bzw. Leichtflüssigkeit haben in der Regel eine Dichte unter 1kg/Liter. Heizöle haben zum Beispiel eine Dichte von ca. 0,85kg/Liter und sind nicht mit Wasser mischbar. Diese Eigenschaft macht sich der Abscheider zunutze. Da das Wasser aufgrund der Dichte schwerer als Öl ist, scheidet sich das Öl oder die Leichtflüssigkeit an der Wasseroberfläche ab. Dieser physikalische Prozess wird auch Separation genannt.

Das überschüssige Wasser läuft immer deutlich unter der Wasseroberfläche ab. Aus diesem Grund muss der Abscheider immer mit Wasser gefüllt sein, um eine vorschriftsmäßige Funktion zu gewährleisten.

Ein Ölabscheider besteht in der Regel aus drei Komponenten:

1. Der Schlammfang
2. Der Ölabscheider
3. Der Probenahmeschacht

Der Schlammfang muss größenmäßig immer an den Abscheider angepasst und somit bemessen werden. Hierbei gilt: Abscheider bis Nenngröße 3 brauchen ein Schlammfangvolumen von mindestens 600 Litern, Abscheider über Nenngröße 3 bis Nenngröße 10 mindestens 2.500 Litern. Bei größeren Abscheidern wird der Schlammanfall berechnet. In der DIN EN 858 sind drei Berechnungsfaktoren festgelegt:

Leichter Schlammanfall Nenngröße X 100 Ltr
Mittlerer Schlammanfall Nenngröße X 200 Ltr.
Großer Schlammanfall Nenngröße X 300 Ltr.

Eine Besonderheit bei der Bemessung sind Abscheider, denen eine Portalwaschanlage vorgeschaltet ist. Hierbei ist ein Schlammfangvolumen von mindestens 5.000 Litern vorgeschrieben.

Der Schlammfang muss so aufgebaut sein, das sogenannte Kurzschlussströmungen verhindert werden. Das Abwasser wird über ein Tauchrohr oder Schwallblech so umgeleitet, das es zuerst nach unten abgeleitet wird. Hierbei scheidet sich der Schlamm vom Öl-Wassergemisch ab. Das Öl-Wassergemisch fließt dann in den Abscheider.

Der Abscheider ist ebenfalls mit einen Tauchrohr oder Schwallblech ausgestattet. Allerdings ist der Ablauf so angeordnet, das dass Abwasser deutlich unterhalb der Wasseroberfläche abläuft.

Der Ablauf des Abscheiders besteht aus einem Rohr, dass in der Höhe des Wasserspiegels angeordnet ist. Hier ist es wichtig, das dass Rohr im Inneren des Abscheiders nach unten geht und durch einen 180° Bogen wieder nach oben geführt wird. Über der Öffnung dieser Rohres befindet sich der Schwimmer, der bei Erreichung der maximalen Ölschichtdicke diese Öffnung verschließt. Der Schwimmer besteht aus zwei Teilen: dem Schwimmkörper und der Ventilplatte.  Diese verschließt bei Erreichen der maximalen Leichtflüssigkeitsschicht den Ablauf. Der Schwimmer ist in der Regel auf eine Dichte von 0,85 g/cm³ eingestellt.

Deshalb schwimmt der Schwimmer nur auf Wasser und nicht auf der Leichtflüssigkeit.

Erreicht die Leichtflüssigkeit eine Schichtdicke von ca. 20 cm (je nach Hersteller), sinkt der Schwimmer ab und verschließt den Ablauf, damit keine Leichtflüssigkeit in die Kanalisation gelangen kann. Der Abscheider ist dann umgehend zu entleeren.

Um ein Austreten von Leichtflüssigkeit zu verhindern, muss der Schachtaufbau des Abscheiders mindestens 13 cm höher sein als der niedrigste Einlauf. Dies ist sehr wichtig, denn die Leichtflüssigkeit baut sich je nach Dichte bis zu 15% über der Wasseroberfläche auf und kann, wenn die so genannte Überhöhung nicht eingehalten wird, aus der Schachtabdeckung austreten. Wenn die Überhöhung nicht eingehalten wird muss eine Warnanlage installiert werden.

Der Probenahmeschacht dient vorrangig der Entnahme von Proben aus dem Abwasser und ist dem Abscheider immer nachgeschaltet. Er muss so aufgebaut sein, das eine eindeutige Beprobung der Abwässer gewährleistet ist.

Heutzutage werden so genannte Kompaktabscheideranlagen eingesetzt. Bei diesen Abscheidern ist die Abscheideeinheit in den Schlammfang integriert. Hierbei sind nur zwei Bauwerke einzubauen, was erhebliche Kosten spart.

Ölabscheider werden meist von den Behörden nicht mehr anerkannt, weil im Abwasser ein Restgehalt von Kohlenwasserstoffen von über 20 mg enthalten ist.

Die moderne Technik ist der Koaleszenzabscheider, bei dem eine Restkonzentration von 5mg Kohlenwasserstoffen erreicht wird. Der Unterschied zwischen den beiden Abscheidertypen ist der Koaleszenzeinsatz. Dies ist eine Einrichtung, die die Restkonzentration von Kohlenwasserstoffen im Abwasser auf 5mg reduziert.

Unsere Leistungen für Sie bei Abscheideranlagen

Vor dem Neubau einer Abscheideranlage ist gem. EN 858-1 Teil 1 und 2, sowie der DIN 1999-100 zu ermitteln, welche Nenngröße die Anlage haben wird. Pauschale Größenangaben für bestimmte Branchen wie z.B. Tankstellen oder Kfz-Werkstätten sind nicht möglich, da verschiedene Faktoren in die Größenbestimmung mit einfließen.

Bei Neueinbauten ermitteln wir die Größe der Anlage auf der Basis der Betriebsbedingungen wie z.B. des zu erwartenden Schmutzwasseranfalls. Dies erfolgt im Rahmen einer Betriebsbegehung, bei der die relevanten Parameter für die Bemessung der oben genannten Normen ermittelt werden.

Vorhandene Abscheideranlagen

Auch bei bereits eingebauten Abscheideranlagen treten oft Probleme im Betrieb auf. In einer so genannten “Ist-Analyse” und einer Nachbemessung der Abscheideranlage werden die Ursachen ermittelt und Lösungswege aufgezeigt. Dies kann z.B. eine nicht korrekte Dimensionierung sein. Eine zu kleine aber auch eine zu große Dimensionierung führen zu erheblichen Kosten und unnötigem Mehraufwand beim Betrieb der Abscheideranlage. Hier wird der tatsächliche Wasseranfall ermittelt und ein Lösungsweg für die Umstellung der Anlage auf den aktuellen Bedarf vorgeschlagen.

Monatliche Eigenkontrolle von Abscheideranlagen

Diese erfolgt im Rahmen der bedarfsorientierten Entleerung gem. EN 858-1 Teil 1 und 2, sowie DIN 1999-100. Der Gesetzgeber regelt die monatliche Eigenkontrolle der Abscheideranlage. Bei dieser monatlichen Eigenkontrolle werden Überprüfungen durchgeführt, die das ordnungsgemäße funktionieren der Abscheideranlage gewährleisten (Messung der Schlammschicht und Leichtflüssigkeitsschichtdicke, Kontrolle von evtl. eingebauten Warnanlagen, Kontrolle der Wasserstände, Feststellung von evtl. auftretenden Mängeln, usw.). Für Betreiber, die die monatliche Eigenkontrolle nicht selbst durchführen dürfen, bieten wir Ihnen diese Leistungen im Umfang eines Wartungsvertrages als weiteren Service an.

Halbjährliche Wartung von Abscheideranlagen

Diese erfolgt im Rahmen der bedarfsorientierten Entleerung gem. EN 858-1 Teil 1 und 2, sowie DIN 1999-100. Über die monatliche Eigenkontrolle hinaus muss bei allen Abscheideranlagen eine halbjährliche Wartung durchgeführt werden.

Wartungsvertrag

Die EN 858 Teil 1 und Teil 2, die DIN 1999-100: 10/2003 sowie der Anhang 49 der Abwasserverordnung regeln die monatliche Eigenkontrolle der halbjährlichen Wartung von Abscheideranlagen. Unseren Kunden bieten wir die Durchführung der halbjährlichen Wartung und / oder der monatlichen Eigenkontrolle auf Wunsch gerne auf der Basis eines Wartungsvertrages an. Der Betreiber der Abscheideranlage erhält nach Durchführung der Wartung und/oder der monatlichen Eigenkontrolle ein entsprechendes Wartungsprotokoll. Abgerechnet wird auf der Basis eines vereinbarten Pauschalpreises.

5jährige Generalinspektion von Abscheideranlagen

Diese erfolgt gem. EN 858-1 Teil 1 und 2, sowie DIN 1999-100. In Abständen von längstens fünf Jahren ist die Abscheideranlage völlig zu entleeren, zu reinigen und durch einen Fachkundigen zu prüfen. Als Fachbetrieb § 19 l WHG besitzen wir die entsprechende Qualifikation, die zur Durchführung der 5jährigen Generalinspektion erforderlich ist. Wir bieten unseren Kunden ein Leistungspaket an, in dem die Entleerung, die Überprüfung, die Dichtheitsprüfung und ggf. die Sanierung enthalten sind.

Wartung von Ölabscheidern 

Was hat der Betreiber einer Abscheideranlage zu beachten?

Jeder Abscheider muss in regelmäßigen Abständen überprüft und gewartet werden. Hier sind drei Leistungsbereiche zu beachten:

1. Monatliche Eigenkontrolle
2. Wartung
3. Generalinspektion

Gemäß Indirekteinleitergenehmigung bzw. Direkteinleitergenehmigung ist der Betreiber verpflichtet, ein Betriebstagebuch anzulegen und regelmäßig zu führen, oder dies durch einen Wartungsvertrag extern zu veranlassen.

Monatliche Eigenkontrolle

Hierbei wird der Abscheider geöffnet und visuell auf Funktion geprüft. Die Schlammschichtdicke und die Ölschichtdicke wird gemessen und im Betriebstagebuch dokumentiert. Der Zustand und die Funktion des selbsttätigen Abschlusses (Schwimmer oder Klappe) werden auf Funktion geprüft. Der Wasserstand vor und hinter den Koaleszenzeinsatzes wird überprüft (muss auf beiden Seiten gleich sein).

Diese Arbeiten muss ein Sachkundiger ausführen, der an der Anlage eingewiesen wurde. Der Sachkundige muss im Betriebstagebuch eingetragen sein.

Gerne bieten wir ihnen eine Schulung ihrer Mitarbeiter vor Ort an.

Wartung

Hierbei werden der Schwimmer und der Koaleszenzeinsatz demontiert und ggf. gereinigt. Die Ablaufrinne im Probenahmeschacht wird ebenfalls gereinigt. Die jeweiligen Herstellerangaben sind zu beachten und ggf. durchzuführen. Die Wartung muss im Betriebstagebuch dokumentiert werden.

Generalinspektion nach DIN 1999-100

Hierbei wird die Anlage komplett entleert und gereinigt. Die Inneneinbauten werden begutachtet und mittels Fotos dokumentiert. Dann werden die Zu- und Abläufe mittels Absperrblase verschlossen und der Abscheider mit Frischwasser bis 30mm unter Oberkante des Schachtaufbaues angestaut. Je nach Genauigkeit des Prüfgerätes  und messtechnisch erfasster Oberflächen des Abscheiders wird eine Prüfzeit nicht unter 30 Minuten festgelegt. Nach Ablauf der Prüfzeit wird mit Fischwasser nachgefüllt und die Leckrate bestimmt.

Während der Messzeit kontrolliert der Fachkundige (Prüfer) die Dokumente. Zu Prüfen sind Indirekteinleitergenehmigung, Bemessung der Anlage, Vollständigkeit des Betriebstagebuches, Bedienungsanleitung des Anlagenherstellers, der Entwässerungsplan, die Tarierung des Schwimmers, die Datenblätter der Reinigungsmittel und der Sachkundenachweis (wenn der Betreiber das Betriebstagebuch selbst führt). Nach der Prüfung bekommt der Betreiber einen detaillierten Prüfbericht.

Inbetriebnahme und Betrieb des Ölabscheiders

Für den Betrieb von Koaleszenzabscheideranlagen gilt grundsätzlich DIN 1999, Teil 6 und die örtliche Entwässerungssatzung. Beachten Sie bitte die angeführten DIN-Absätze.

Die gesamte Koaleszenzabscheideranlage ist zu reinigen. Dabei sind Bau- und Mörtelreste, Schwebstoffe oder ähnliches aus der Anlage zu entfernen. Die Anlage und alle Teile sind auf einwandfreien Zustand zu prüfen. Die Koaleszenzpatrone mit Steckschieber ist aus dem Abscheider herauszunehmen. Die Koaleszenzpatrone ist von Schwebstoffen oder ähnlichem zu reinigen. Danach ist sie einsatzbereit und in die Steckführung des Abscheiders einzustecken.

Unbedingt beachten: Die Gesamtanlage (alle Behälter) ist mit Wasser so lange zu füllen, bis ein Überlauf in den Probenahmeschacht stattfindet. Bei Kompaktanlagen (Ölabscheider und Ölschlammfang in einem gemeinsamen Bauwerk) unbedingt zuerst den inneren Behälter, erst dann den äußeren Behälter befüllen!

Der Schwimmer ist am Hebebügel während des Füllvorganges hochzuziehen. bzw. aus der Anlage herauszuheben (die Ventilplatte darf beim Befüllen der Anlage nicht auf dem Ventil aufsitzen). Nach dem Befüllen ist der Schwimmer in die Schwimmerführung des mit Wasser gefüllten Ölabscheiders einzusetzen.

Danach ist zu testen, ob der Schwimmer mit Verschlußgestänge und Ventilplatte beweglich ist bzw. ob er sich in Schwimmlage befindet. Wenn dies der Fall ist, ist die Anlage ordnungsgemäß befüllt worden. Nach Auflegen aller Deckel ist die Anlage betriebsbereit.

Die Ölabscheideranlage funktioniert nach rein physikalischen Vorgängen. Die chemische Behandlung durch gesonderte Zugabe von Reinigungs- und Lösungsmitteln ist nicht erforderlich und nicht zulässig. Die Überwachung per Alarmanlage ist nach DIN 1999 vorgeschrieben, wenn die Abdeckung des Abscheiders nicht um mindestens 130 mm oder um den in der DIBt-Zulassung festgelegten Wert höher liegt als das Niveau des nächstgelegenen Einlaufes.

Alarmanlagen werden von uns auf alle Fälle angeraten.

Wiederinbetriebnahme

Nach jeder vorgenommen Entleerung oder Reinigung der Abscheideranlage ist der Abschnitt „Inbetriebnahme und Betrieb das Ölabscheiders“ zu beachten.

Ölabscheider, Abscheider und Benzinabscheider - Weitere Informationen

Vor dem Neubau einer Abscheideranlage ist gem. EN 858-1 Teil 1 und 2, sowie der DIN 1999-100 zu ermitteln, welche Nenngröße die Anlage haben wird.

Wir beraten Sie gerne bei Planung und Neubau einer Abscheideranlage, beim Tankstellenbau, der Tankreinigung und der Sanierung von Benzinabscheider und Ölabscheidern.

Weitere Informationen zu unseren Benzin- und Ölabscheidern finden Sie auf der Seite Funktion Ölabscheider.

Bei Fragen zu Abscheidern nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf, wir beraten Sie gern unverbindlich und kostenlos.

 

 

 

  • Einbau von vier Abscheidern parallel

Video (Animation) eines Ölabscheiders

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